In lieber Erinnerung an unseren OLGH-Gründungsvater und „OL- Ätti“ Willi Heiniger (1932 - 2020)

Am Sonntag, 22. November 2020, hat unser „OL-Ätti“ seinen allerletzten Zielposten auf dieser Erde erreicht. Wir sind traurig und gleichzeitig dankbar für die gemeinsame Zeit und alle Erlebnisse, die wir mit Willi während vielen Jahrzehnten teilen konnten. Von Herzen entbieten wir den Angehörigen unsere tiefste Anteilnahme und wünschen Ihnen viel Kraft beim Abschied nehmen und um den grossen Verlust verarbeiten zu können.

Am Sonntag, 22. November 2020, hat unser „OL-Ätti“ seinen allerletzten Zielposten auf dieser Erde erreicht. Wir sind traurig und gleichzeitig dankbar für die gemeinsame Zeit und alle Erlebnisse, die wir mit Willi während vielen Jahrzehnten teilen konnten. Von Herzen entbieten wir den Angehörigen unsere tiefste Anteilnahme und wünschen Ihnen viel Kraft beim Abschied nehmen und um den grossen Verlust verarbeiten zu können.

Willi Heiniger hinterlässt ein grosses Vermächtnis. Er hat unzählige Stunden in unseren Verein investiert und mit viel Schaffenskraft die OLG stets auf dem Neuesten Stand gehalten. An dieser Stelle kann nur ein kleiner Abriss aus seinem Grossen Wirken herausgestrichen werden. Es beruht auf Geschriebenem aus vergangenen Jahren sowie von Erzählungen  von Willi.

Unter der Rubrik „Dr Ätti bsinnt si no“ berichtete Willi in der vereinseigenen Zeitschrift, dem „Kompass“, regelmässig heitere und auch weniger „g’freute“ Begebenheiten aus der ersten Zeit der OL–Läufe in Huttwil. 

Hier ein „Müsterli“:

Vo Flüeh heisst er, u Charte gläse het er ou wiene Chlous!

Erste echte Bekanntschaft mit Karte, Kompass und Gelände machen auch heute noch die jungen Rekruten. So war 1952, der RS des Jahrgangs 32 (em Ätti sine!) nur im Vorunterricht und eben freiwillig Gelegenheit, etwas von der „Siegfriedkarte“ zu hören und damit zu laufen.

So rückten wir im Rahmen eines ersten Patrouillen-Marsches in der zweiten RS-Woche in die Gegend des Bireggwaldes aus. Korporal an der Spitze, Rekrut Heiniger am Schluss der Einerkolonne. Ungewohnte Schuhe, „halbtannige“ EX-Hosen, Rucksackpackung, Karabiner und Marsch-Tee in der Feldflasche, alles zusammen mit kreuz und quer durch den immer finster werdenden Wald sollte uns im Gelände schulen! Weil eben damals die Rekruten dem Gruppenführer nicht reklamieren durften, blieb auch der „Schlussmann“ stumm, obschon er merkte, dass die gleiche Wegkreuzung bereits zum drittenmal überquert wurde. Kartenlesen durfte ja nur der Korporal! So war es nicht verwunderlich, dass unsere Gruppe drei Stunden länger marschierte, gesucht, schlussendlich gefunden wurde!

Grell tönte da der Ausruf des suchenden Instruktoren in die Nacht hinaus, alle erschraken sehr. Da der „Kartenleser“ neben der Orientierung wohl auch die Sprache verloren hatte, gab der Zweitvorderste Antwort auf die Sprache des „hohen Militärs“: „ Jo mir si do, vo Flüe heisst dr Korpis, u Charte gläse het er ou wiene Chlous!“

D’Moral vo dr Gschicht: Kartenlesen, Kompass richtig handhaben, intervenieren, wenn’s „i d’Schnitz“ geht, dass muss gelernt und geübt werden.

Willi hat erstmals an einer Weiterbildung als Vorunterrichtsleiter in Magglingen  vom OL –Sport erfahren. Ein Sportstudent aus Frankreich stellte Volleyball und OL als neue Sportarten vor. Der Lauf wurde in 2-er Gruppen absolviert. Die Posten, die vorgängig selber abgezeichnet werden mussten,  waren mit rot-weissen Bändern um die Bäume markiert und waren  mit Zahlen oder Buchstaben versehen. Diese mussten die Läufer auf der normalen Landeskarte 1:25‘000 vermerken. Während seiner Zeit in der Unteroffiziersschule wurde die neue Sportart einmal pro Woche trainiert, abwechselnd am Tag oder mit Taschenlampen in der Nacht. Willi war vom OL begeistert.

Als Trainingsleiter des Vorunterrichtes in Gondiswil und Huttwil,  hat er die neue Sportart eingebaut und so auch in unserer Region bekannt gemacht.

Am 25. Januar 1959 war die Geburtsstunde der OLG Huttwil. Sieben OL-Läufer versammelten sich im Gewerbeschulhaus Huttwil, mit dem Ziel, eine OL Gruppe in Huttwil zu gründen. Willi wurde als Obmann und Trainingsleiter gewählt, Peter Gfeller amtete als Sekretär und Hans-Ulrich Schild als Kassier. Zu Beginn war die OLG praktisch ein „Ein-Mann-Betrieb“. Willi amtete zudem noch als Bahnleger, Organisator und Materialverwalter. Wichtig war, sich ein Netzwerk zu den anderen OL-Gruppen aufzubauen z.b Wynigen und Biel, mit denen man auch Material austauschen konnte. Es war ihm wichtig, karten- und materialtechnisch immer auf dem neusten Stand zu sein. Kartenmaterial wurde bei der Landestopografie bestellt und musste wieder zurückgeben werden – deshalb war die Bahn mit Bleistift eingezeichnet. Für den Lauftag suchte er sich dann Helfer, vorallem aus den Reihen des UOV  Huttwil (Unteroffizierverein) und für die Auswertung immer einen“ Büromenschen“, weil man viele Laufzeiten ausrechnen musste.

Grosse Unterstützung erhielt er auch von den Kadetten Huttwil. Diese Zusammenarbeit war sehr erfolgreich, die Mitglieder der Kadetten hielten dem Stammverein, der OLG, die Treue, auch wenn diese wegzogen. Willi war auch in den Kadetten OL-Leiter. Es freute ihn sehr, dass einige „Kadetteler“ Erfolge feiern konnten und dem OL –Sport treu blieben.  Hier einige Namen  aus den starken Jahrgängen 1937,1947 und 1957:

Hans Notter, Peter Minder,“ Seiler’s Buben“, Peter + Kurt Nyfeler und Martin Howald.

Viele Mütter fanden damals die Tranings zu streng, weshalb Willi befahl: „Ein OL-Läufer putzt seine Schuhe und Laufkleider ab sofort selbst!“

Die  OLG konnte in all den Jahren eine konstante Entwicklung machen. Der Gründerjahrgang konzentrierte sich noch weitgehend auf den Huttwiler–OL. Das ging soweit, dass die Mitglieder die nötigen Karten vorfinanzierten. Die rasante Entwicklung des OL in der Schweiz in den 70-iger Jahren führte bei der OLG Huttwil zu einer grossen Reorganisation im Jahr 1971. Im Jahr 1972 gab es die erste OL- Karte (Gebiet Chaltenegg) und 1973 führte man erstmals einen nationalen OL durch.

Im Jahr 1975 war die EOM und 1978 dann das grosse Highlight, die Organisation der 4. Etappe in Eriswil beim „5 Tage–OL von Luzern“. Willi war bei diesem Grossanlass Laufleiter, dazu gäbe es vieles zu berichten. Speziell zu erwähnen sei dazu, dass die Feuerwehr Huttwil tatkräftig mithalf, dass die Wasserversorgung im Zielgebiet erschlossen wurde, weil weit und breit kein Wasseranschluss war. Dazu wurde das Wasser aus der „Langete“ in ein grosses Bassin gepumpt und von dort aus zu den improvisierten Duschen. Dass die ganze Anlage intensive Betreuung benötigte, dürfte allen klar sein. Bis heute führt die OLG regelmässig nationale und sogar internationale Grossanlässe durch. Willi verfolgte jeden dieser Anlässe mit grosser Freude.

In den letzten 60 Jahren hat sich viel verändert. Früher gingen die Teilnehmer mit den Velos an die Wettkämpfe, manchmal auch mit dem Zug. Anmelden musste man sich via Postkarte und es gab nur sehr wenige Kategorien. Erst später kamen Kategorien für Frauen und Familien hinzu. Heute gibt es rund 45 davon...

Im Anfang fand der OL in 3er-Gruppen statt, erst später wurde er als Einzelsportart ausgeübt. Jeder Posten war „bemannt“, dass hiess, dass eine Person im Postenraum versteckt war und akribisch festhielt, wann der Sportler den Posten passiert hatte. Die Posten waren nebst den orangen/weissen Flaggen auch mit rotweissen Bändern an den Bäumen versehen, diese hatte Ida, Willys Frau, alle selber für die OLG Huttwil genäht. Auch ihr ist es zu verdanken, dass es seit dem 5. Huttwiler OL eine Festwirtschaft gibt. Über eine lange Zeit hat sie die Verpflegung für den Verein finanziert, hergestellt und gemanagt.  

Heinigers hatten nicht nur die Festwirtschaft gesponsert. Denn nicht der Verein, sondern Willi trug anfangs selbst die anfallenden Kosten und die damit verbundenen Risiken und hatte oft nur den eigenen Haushalt als Sicherheit eines Defizits. So auch geschehen am 9.Huttwiler OL im Oberwald. Wie immer hatte der Verein die Samariter angefragt um den Postendienst zu übernehmen. Als Entgeld durften die Samariter sich im Restaurant Kreuz in Dürrenroth verköstigen lassen. Als Willi die Rechnung in der Beiz begleichen wollte, fiel er aus allen Wolken. Er musste für 17 Personen, anstatt wie besprochen für nur 2 Personen das Zvieri bezahlen. Der Samariterverein nahm diesen Anlass als Vereinsübung war und liess es sich gut gehen. Willi opferte einen Teil seines hart verdienten Lohnes um die Rechnung zu bezahlen. Es gäbe dazu noch zig „Müsterli“ zu erzählen.

1991 antwortete Willi auf die Frage, ob es auch negative Erlebnisse im Zusammenhang mit dem OL gäbe: "Negative Erlebnisse? Die soll bitte jeder selbst still verkraften. Jammern hilft da nichts! Traurig machte mich, dass es nie eine OLG Huttwil-Frau ganz vorne im National-Team war."

2013 erfüllte sich auch dieser Wunsch von Willi. Sarina Jenzer schaffte den Sprung als „OLG Huttwiler-Frau“ in die Schweizer Frauennationalmannschaft und ist bis heute erfolgreiche Eliteläuferin.

Willi war sehr polysportiv. Sein Bewegungsdrang war fast unerschöpflich. Im Winter war er Trainingsleiter des Skiclubs Eriswil und entdeckte später auch den Skilanglauf. Willi nahm regelmässig an den Sommer- und Wintermilitärmeisterschaften teil. Ebenso bestritt er Waffen- und Patrouillenläufe und nahm an den 4-Tagesmärschen in Holland teil.

Es gab fast keinen Abend in der Woche, an dem er keinen Sport betrieb. Ausser dem Freitagabend, der war für seine Familie reserviert. Ida, seine Frau, hat ihn während all dieser Zeit den Rücken freigehalten und ihn wenn immer wo möglich unterstützt und auf vieles verzichtet. An einigen OLs durfte Ida mit ihren Töchtern auch starten, obwohl es dazu noch gar keine offizielle Kategorie gab. Ab und zu reisten sie als ganze Familie zu den verschiedenen Wettkämpfen im In– oder Ausland. Willi betonte mehrmals, dass er stolz auf seine Frau ist und dass er immer gewusst hat, dass er die richtige Frau geheiratet habe.

Auf die Frage, welche Beziehung er zur OLG – Huttwil hat, antwortete er im „Kompass“ anlässlich des 25- jährigen OLG-Jubiläums: „Der Anfangs-Geist zur OLG war oft zu gross. So auch finanziell (Karten und Wanderpreise bezahlte ich selbst!). Zwischendurch gab’s auch Resignation und Enttäuschung! Heute achte ich die Leistungen der OLG, sei es OL-organisatorisch, die Trainings oder die Wettkämpfe. Ich bin froh über die Gesundheit der OLG und schaue aus dem „Stöckli“ zu wies läuft!“

Dieser Einstellung blieb er bis zum Ende treu. Es erfüllte ihn mit Stolz, dass die OLG von 7 auf 100 Mitglieder angewachsen ist und sich dabei immer weiter entwickelt, aber dennoch den familiären Charakter bewahrt hat.

Bis ins hohe Alter war der Sport für Willi wichtig. Er konnte als 80-jähriger noch regelmässig an OL Läufen teilnehmen. Er setzte sich dafür ein, dass es noch eine zusätzliche Kategorie H85 geben sollte. Dieser Wunsch blieb ihm verwehrt. Gerne hätte er in den letzten Jahren noch an einem OL teilgenommen, die gesundheitlichen Gebrechen liessen dies leider nicht mehr zu. Willys Wille sich immer wieder zurück ins Leben zu kämpfen, trotz allen Widrigkeiten, ermöglichte ihm immer wieder Freiheiten im Alltag zurückzuerobern. Reha-Aufenthalte sah er als „Trainingslager“ an.

Auch wenn er selber nicht mehr an  OL-Läufen teilnehmen konnte,  verfolgte er bis am Schluss seines Lebens den OL-Sport intensiv mit. Er freute sich über jeden Kontakt aus der OL–Familie und über jeden Erfolg, den die OLG Huttwil verzeichnen konnte. Ganz besonders freute er sich über die Erfolge der OL-Junioren und verfolgte aufmerksam ihre sportliche Entwicklung. Es ehrte ihn, dass sich die jeweiligen OLG-Präsidenten Zeit für ihn nahmen und Kontakt mit ihm pflegten. Er fieberte bei jedem Huttwiler OL-Anlass mit und freute sich, wenn er die OL-Karte mit dem Postennetz erhielt.  Bis kurz vor seinem Tod studierte er noch OL- Karten und mögliche Routenwahlen und sagte dazu: „Das hält meinen Kopf fit und es erinnert mich an so manch schönes OL–Erlebnis in der wunderschönen Natur.“

Wie sieht die OL-Zukunft aus? Eine Prognose? Antwort von Willi 1991: „OL hat Zukunft, solange Idealisten am Werk sind. Geld darf aber nur bedingt im Spiel sein. Die Schule respektive die Turnlehrer und J+S-Leiter können die Weichen stellen. Dort wo OL, trotz viel Vorbereitungsarbeit, im Schulturnen Platz findet, gibt es Nachwuchs-OL-Läufer.“

Willi, wir danken Dir von ganzem Herzen für alles was Du für unseren Verein getan hast! Gerne möchten wir uns weiterhin für den OL–Sport und unseren Verein einsetzen, damit noch ganz viele diesen wunderschönen Sport ausleben dürfen und sich Deine Wünsche weiter erfüllen dürfen.

Lieber Willi, in unseren Erinnerungen und Herzen lebst Du weiter.

 

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