Huttwiler-OL 2019: Nationales Kräftemessen im winterlichen Märchenwald

Wintereinbruch, zufriedene Gesichter, schmutzige OL-Dresses, neueingekleidete Helfer, gefüllte Festwirtschaft, glückliche Gewinner und einwandfreie Organisation. So lautet die Kurzzusammenfassung des 64. Huttwiler OLs, welcher am 14. April im Fluewald-Ahorn als 1. Nationaler OL der Saison 2019 ausgetragen wurde.

Es ist 6 Uhr morgens. Die im Campus Perspektiven übernachtenden Mitglieder der OL-Gruppe Stäfa schlafen noch, während die ersten Huttwiler ihre Arbeit aufnehmen. Das Geländeteam sticht mit Stirnlampen ausgerüstet in den Wald um die elektronischen Posteneinheiten auf die Postenständer mit Flagge zu montieren, das Startteam richtet die beiden Starts fertig ein und geht das Startprozedere nochmals durch und die Verantwortlichen der Festwirtschaft vergewissern sich, dass kein nächtlicher Besuch in der Küche der Dreifachturnhalle von den am Vortag vorbereiteten gut 100kg Kartoffelsalat genascht hat.


Die schweizweit und vereinzelt international angereisten Läufer und Läuferinnen trafen zwar keinen blauen Himmel an, begrüsst, an den Start transportiert, gestartet, im Wald beobachtet, im Ziel empfangen, rangiert und in der Festwirtschaft verpflegt wurden sie jedoch von einer Schar blau gekleideter OLGH-Mitgliedern und weiteren treuen Helfern und Helferinnen. Die Helferbekleidung wurde extra auf diesen Jubiläumsanlass hin entworfen und zeigt auf dem Rücken in einem Höhenkurvenbild den höchstgelegenen Punkt der OL-Karte Fluewald-Ahorn. Der Wald zeigte sich für den 1. Nationalen OL der Saison 2019 im märchenhaften, winterlichen Kleid. Dadurch, dass die Temperatur bis Mittag die Nullgradgrenze nicht überschritt, blieb der Schnee liegen und verwandelte die steilen Hänge nicht in Rutschpartien, was den Wettkämpfern entgegenkam.


Wer im steilen Fluewald-Ahorn schnell sein wollte, musste physisch in Form sein und im Kopf parat, um die kniffligen Routenwahlentscheide frühzeitig und zu seinen Gunsten zu fällen. Ueli Werren (OLG Bern) ist dies besonders gut gelungen. Er reüssierte in der Elitekategorie der Herren in 1h 30min. Bei den Damen Elite gewann Paula Gross nur gerade 2 Sekunden vor Simona Aebersold. Die zwei jungen Nationalkader-Athlethinnen konnten sich somit um 20 Sekunden vor ihrer erfahrenen Teamkollegin Sabine Hauswirth rangieren. OLGH-Mitglied Sarina Jenzer stempelte einen falschen Posten und wurde somit nicht klassiert. Wir wollten von der Siegerin der OLG Zimmerberg wissen, welches der entscheidende Moment ihres Wettkampfes war. Gross meinte dazu, dass es nicht eine entscheidende Route gegeben hätte, die sie im Vergleich zu ihren Konkurrentinnen besonders gut umgesetzt habe. Sie habe vielmehr oft die schnellere Route erwischt und das Rennen sei ja sehr eng gewesen, da hätte auch eine andere gewinnen können. Angesprochen auf ihr Vorgehen bei einem Routenentscheid, meinte die 23-jährige Richterswilerin, dass sie jeweils bewusst nach mehreren Alternativen suche und nicht die erste ins Auge stechende Route wähle. Kriterien für einen Entscheid wären dann die Höhenmeter, die sie überwinden müsse und ob unterwegs viel oder wenig auf Wegen gelaufen werden kann. Nicht unwichtig sei auch, von welcher Seite der Posten einfacher zum Anlaufen sei.


Nicht nur die Sieger und Siegerinnen der verschiedenen Kategorien freuten sich über ihren Erfolg. Im Ziel waren viele zufriedene Gesichter anzutreffen. Es sei zwar physisch anstrengend gewesen, aber der schöne Wald, die interessanten Bahnen und das reichhaltige Angebot in der Festwirtschaft hätten diese Strapazen wett gemacht. Besonders geschätzt wurden auch die Bänkli und Matten beim Busauslad, auf denen die OL-Schuhe im trockenen geschnürt werden konnten.


Noch im Ziel, aber bei diesem kalten Wetter meist erst in der Festwirtschaft wurden die Köpfe über den Karten zusammengestreckt und Routen besprochen und verglichen. Nach dem Lauf ist vor dem Lauf – es ist immer spannend zu erfahren, wie die Konkurrenz gelaufen ist und wo man seine eigenen Stärken ausspielen konnte. So nervten sich zwar zwei Senioren um die 70 darüber, dass sie während dem Wettkampf die schnellere Route nicht gesehen hätten und einen längeren Umweg gelaufen sind, fügten aber zufrieden an, dass es toll ist, wenn man so lange über Routenwahlen diskutieren kann – so seien es auch echte Knacknüsse gewesen.


Da für einen solchen Anlass viele Funktionäre im Einsatz sein müssen, stand aus Huttwiler Sicht nicht der sportliche Erfolg im Vordergrund, sondern das Gelingen einer reibungslosen Organisation. So starteten auch keine Erwachsenen der OLG Huttwil. Die Junioren Jan Kurzen, Lukas und Andreas Neuenschwander vertraten jedoch ihren Verein im Heimterrain und halfen vor und nach dem Lauf in der Festwirtschaft, am Start und beim Kinder-OL mit. Der Viertklässler Andreas Neuenschwander ist der wohl jüngste Bahnleger in den Reihen der OLG Huttwil. Er heckte im Vorfeld die Bahn des Kinder-OLs aus, welcher im Wettkampfzentrum auf dem Areal des Campus Perspektiven parallel zum Wettkampf der Grossen stattfand.


Nachdem die letzten Läufer und Läuferinnen ihre Badges ausgelesen hatten, sich die Festwirtschaft langsam leerte, die Posten im Wald eingezogen wurden und das Wettkampfzentrum aufgeräumt war, blickte Laufleiter Patrik Grossenbacher mit Erleichterung und Stolz auf den durchwegs gelungenen Anlass zurück. Er dankte allen Helfern und Helferinnen, insbesondere denen, welche nicht Mitglieder der OLG Huttwil sind und tatkräftig mitgeholfen haben den Grossanlass über die Bühne zu bringen. So macht organisieren Spass!

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